Hallo Zusammen
Wie einige vielleicht wissen arbeite ich nun seit über 5
Monaten in einer Schule in Kenia. Heute möchte ich euch mehr über meine Arbeit,
meine Eindrücke und Erfahrungen erzählen, da diese doch sehr unterschiedlich
sind zu unserer Schule in Deutschland oder der Schweiz.
Ich arbeite in einer Schule in einem winzigen Dorf mitten im
Busch von Kenia. Die Schule hat ungefähr 400 SchülerInnen (Die genaue Anzahl
weis tatsächlich keiner der Angestellten, auch nicht der Schuldirektor). Die
hohe Anzahl der Schüler, trotz der der wenigen Dorfbewohner, erklärt sich aber
dadurch das in Kenia die Eltern nicht wie in Europa nur 1-3 Kinder bekommen,
sondern min. 6 bis hoch zu 13 Kindern
pro Familie. Somit braucht es nicht sonderlich viele Einwohner um eine Schule
zu füllen;)
Es gibt 8 Klassen und in jeder Klasse sind ca. 50 Schüler. Ich
unterrichte eine 6. und 7. Klasse. Ab der
8ten Klasse endet die staatliche
Schule und die Kinder haben entweder die Wahl aufzuhören, oder weiter auf das
College zu gehen.
Hier im Dorf ist die Realität so, dass die meisten Kinder nach der 8ten Klasse
aufhören, da ihre Eltern sie zu Hause für die Arbeit brauchen. Die meisten
Eltern hier sind Farmer und Viehhalter. Viele Kinder kommen auch gar nicht zur
Schule, da die Eltern sie zum Arbeiten zu Hause behalten. Manche kommen ab und
zu, je nach Arbeitsanfall. In Kenia ist erst seit kurz Schulpflicht und erst
seit ein paar Jahren die Schulen kostenfrei, so dass wirklich alle Kinder zur
Schule können…zu mindestens rein theoretisch. Überprüft wird das nicht, wie bei
uns. Besonders in so einem kleinen Dorf wie ich wohne achtet sich keiner, ob
die Kinder kommen oder nicht…
Die Kinder tragen hier Schuluniformen, die die Eltern selber
zahlen müssen. Man sieht vielen Kindern an, dass die Eltern nicht das Geld
haben, da ihre Kleidung völlig zerfetzt ist oder schon lange nicht mehr passt.
Die Schule beginnt um 08.20Uhr offiziell, es wird sich aber
schon um 06.30 Uhr getroffen, zum Gemeinsamen einstimmten in den Tag, aufräumen
und bereit machen.
In meiner Schule arbeiten 13 LehrerInnen. Wobei das Wort
„arbeiten“ hier sehr grosszügig gegriffen ist. Jeder LehrerIn hat mindestens 1
Fach das er/sie unterrichte, maximal 3.
Ich selber unterrichte 2 Fächer. Der Schulalltag ist sehr ruhig für uns, dass
war anfangs extrem ungewohnt und auch langweilig. Ich unterrichte nicht mehr
als ein Fach am Tag, also eine Schulstunde, und eine Schulstunde geht gerade
mal 35 Minuten. Und so handhaben es die anderen LehrerInnen auch. Wir konnten
es am Anfang nicht glauben, die Hauptzeit wird einfach nur im Lehrerzimmer rumgesessen,
Tee getrunken und geredet. Ich schlage mir die Zeit rum mit Hausaufgaben
korrigieren und neue Schulstunden vorzubereiten. Es ist wirklich nicht
vergleichbar mit der Arbeitsethik bei uns.

Das Lehrerzimmer und alle Klassenzimmer sind sehr simple, da
dass Geld fehlt um Erneuerungen zu machen und Materialien zu beschaffen. Die
Schüler haben kleine Holzbänke, auf denen sie meist zu dritt sitzen und es gibt
eine Tafel im Klassenzimmer. Es gibt kein Strom, keine Lehrmittel ausser
Kreide, und somit auch keine grosse Möglichkeiten unterschiedlich zu
unterrichten, wie ich es sonst gewohnt bin. Es wird alles von Hand geschrieben,
da es natürlich keine Computer/Drucker gibt. Es gibt keine Schränke für Arbeitsmaterialien
bzw. Hefte und Bücher und so liegen diese kreuz und quer über den Tischen
verteilt, oder in Kartons auf den Boden. Genau das gleiche Problem besteht auch
im Lehrerzimmer.

Der Unterrichtsstil bereitet mir die grössten Probleme und
nimmt mir oft die Freude zur Schule zu gehen. Die LehrerInnen unterrichten mit
strenger Hand, es wird viel geschrienen, diktiert und vorgeschrieben. Die
Kinder werden nicht zum selbständigen Denken angeregt, was mir grosse Mühe bei
meiner Unterrichtsgestaltung macht, da ich genau darauf abziele. Die Kinder
sind regelrecht mit meinen Fragen überfordert, da sie neu bzw. umdenken müssen und nicht die Antworten
ablesen oder vorgesagt bekommen (!).
Am schlimmsten ist für mich, dass die Kinder geschlagen
werden. Mit einem Stock, fest. Es knallt richtig. Die Kinder werden nach
europäischen Standard respektlos behandelt, nicht mit Name angesprochen (nur
mit „Wewe“ – dass bedeutet „Du“), nicht „Danke“ Bitte“, „Könntest du“, sie
müssen vor manchen LehrerInnen niederknien wenn sie mit ihnen reden und sie
müssen sich oft auf den Boden legen, um den Po versohlt zu bekommen.
Wir haben die Lehrer darauf angesprochen, aber da kommt
nichts zurück. Es sei wohl mittlerweile
hier auch verboten die Kinder zu schlagen, aber daran wird sich nicht gehalten.
Haben die Kinder eine Aufgabe falsch gelöst, werden sie geschlafen. Eine
falsche Antwort und sie werden geschlagen. Ich habe eine Zeitlang überlegt
nicht mehr zur Schule zu gehen, da ich es einfach nicht mit mir vereinbaren
kann, wie mit den Kindern umgegangen wird. Jedes Mal, wenn ich den Stock in der
Luft zischen hören, zieht es mein Herz zusammen und mein Magen dreht sich. Dann
aber dachte ich mir, dass ich den Kindern viel geben kann…mein Unterrichtsstil
ist komplett anders, liebevoll, kreativ, lernanregend, so wie ich es in meinem
Studium gelernt habe. (Nein, ich möchte mich nicht im Himmel loben und ich bin
nicht die Beste Lehrerin auf der Welt, ich möchte nur die Unterschiede
aufzeigen und der Unterrichtsstil ist wirklich komplett anders als wir es
kennen). Ich möchte den Kindern in der Zeit die ich hier bin so viel geben wie
möglich, und ihnen zeigen dass man auch mit anderen Mitteln zusammenarbeiten
kann. Das auch Lehrer und Schüler miteinander freundlich sein können und
respektvoll miteinander umgehen können.
Deswegen bleibe ich, deswegen bin ich vielleicht auch genau hier gelandet…wer
weiss.
Habt ihr etwas Ähnliches erlebt? Wie würdest ihr damit
umgehen?
Love,
Krisi
PS: Ich möchte nicht generell schlecht über die Schulen in
Kenia sprechen, einfach nur meinen Eindruck wiedergeben der leider nicht ganz
so positiv ist. Dennoch bezweifle ich nicht, dass es an anderen Schulen
vielleicht ganz anders sein mag!